Wie betrachtet man ein Gemälde? Augen auf, Herz auf, Hirn arbeiten lassen

Shownotes

In dieser Episode stelle ich dir meinen KunstKompass vor, mit dem du sicher durch jede Kunstbetrachtung segelst. Wir wenden ihn gemeinsam an einem der berühmtesten Gemälde überhaupt an: Rembrandt van Rijn, Die Nachtwache, 1642. Rijksmuseum, Amsterdam.

Du erfährst:

  • Auf welchen zwei Ebenen du ein Kunstwerk betrachten kannst.
  • Wie du ein Gemälde zeitlich und geografisch einordnest, auch ohne Vorkenntnisse.
  • Was es mit dem hell beleuchteten Mädchen im Hintergrund der Nachtwache auf sich hat.

Links: Rembrandt van Rijn, Die Nachtwache, 1642. Rijksmuseum, Amsterdam.Google Arts & Culture (mit Zoom-Funktion): https://g.co/arts/C269196U1oF6tp6F8

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Transkript anzeigen

00:00:00: Wie betrachtet man eigentlich ein Gemälde?

00:00:02: Ja, es ist zugleich die langweiligste und spannendste Frage in meiner Welt der Kunstgeschichte.

00:00:09: Die kurze Antwort ist Augen auf Herz auf Hirn arbeiten lassen.

00:00:14: Diese Antwort ist zwar richtig aber doch zu wenig konkret und vielleicht auch nicht gerade motivierend.

00:00:25: Ich präsentiere dir hier meinen Kunstkompass, mit dem du sicher durch die Kunstbetrachtung segelst und ganz neue Welten entdecken wirst.

00:00:38: Herzlich willkommen zum Podcast Schöne Kunst auf Zeitreise durch die Kursgesichte!

00:00:45: In diesem Podcast erfährst Du alles aus der Welt der Kunst und warum Kunstwerke Zeitmaschinen sind.

00:01:00: Diese Episode wird wieder einmal richtig hands-on.

00:01:04: Also mach es dir bequem, hol dir deinen Laptop, Tablet oder Smartphone was immer damit du mein Beispiel gemeldet beim Podcast hören gleich ansehen kannst.

00:01:14: und wir legen los!

00:01:16: Falls du jetzt im Auto sitzt oder aus irgendeinem anderen Grund die Hände nicht frei hast kein Problem höre trotzdem zu denn du weißt kunst hört sich gut an.

00:01:28: Klingt paradox, aber viele tolle Kunstpodcasts beweisen das immer wieder.

00:01:33: So jetzt aber wirklich los geht's!

00:01:37: Vorab möchte ich dir vorschlagen ein Kunstwerk auf zwei Ebenen zu betrachten.

00:01:42: Die Ebene eins ist das Kunstwerk erleben schlicht und einfach erleben sich freuen.

00:01:48: Dafür brauchst du nichts zu wissen oder vorherzulesen.

00:01:53: Du kannst dich aber fragen welches Gefühl das Werk bei dir auslöst.

00:01:59: Gut schlecht gar nichts, neutral.

00:02:02: Freust du dich?

00:02:03: Betrückt es dir ich gruselst dich vielleicht oder musst du lachen?

00:02:08: Dann welche Dinge auf dem Bild oder an das gilt für jedes Kunstwerk fangen deinen Blick ein und vielleicht findest Du auch noch heraus warum das so ist.

00:02:22: Und dann beschreibe die Geschichte die du siehst schlicht und einfach.

00:02:26: worum geht es?

00:02:28: Das kann übrigens auch ein Landschaftsbild sein Denn da geht es ja meistens auch um gutes oder schlechtes Wetter, um eine Katastrophe, eine Ideale.

00:02:40: Die Ebene zwei ist das Kunstwerk verstehen.

00:02:43: Das ist dann schon für Fortgeschrittene.

00:02:46: Hier geht es darum das Werk in einen Zusammenhang zu bringen.

00:02:51: Du kannst sich fragen In welcher Zeit könnte es entstanden sein?

00:02:56: Oder in welcher Gegend Mittele Europas hat man so gearbeitet?

00:03:01: Ich sage jetzt hier extra Mitteleuropa, weil das ist auch so die Grenze in der sich unsere Kunstgeschichte bewegt oder die Kunstgeschichten von der ich in diesem Podcast erzähle.

00:03:12: Und vielleicht kannst du sogar sagen welche Handschrift das womöglich ist.

00:03:17: also sprich welcher Künstler hat es gemalt?

00:03:21: Egal wie weit du kommst frage dich bei allem warum und kennst Du etwas Vergleichbares?

00:03:27: Es geht in der Kunst Geschichte in der Kunstwissenschaft wertlich, um das vergleichen.

00:03:34: Es könnte sein dass du dich jetzt wo alles so klar vor dir liegt eigentlich erst recht verloren fühlst.

00:03:41: aber keine Sorge wir gehen das jetzt einmal durch und zwar an einem der berühmtesten Gemälde überhaupt.

00:03:48: es ist die Nachtwache von Rembrandt van Rijn ein riesiges Bild das er im Jahr.

00:03:58: Es hängt heute im Reichsmuseum in Amsterdam.

00:04:03: Und damit du das Bild für die Betrachtung auch vor dir hast, klicke bitte auf den Link in den Show Notes der dich zu Google Arts & Culture führt.

00:04:12: oder wie vereinbart, du hörst jetzt einmal einfach mit und schaust dir das Bild danach in Ruhe an oder vielleicht auch sogar noch einmal mit diesem Podcast.

00:04:22: Es ist sehr praktisch das Bild dort zu bewundern, also auf Google Arts & Culture.

00:04:26: Weil diese Plattform über eine sehr gute Zoom-Funktion verfügt.

00:04:31: Die Bilder sind sehr hochgelöst dort präsentiert und können alle Details bis ins kleinste herangezumpt werden Und das ist besonders bei einem so vielteiligen Bild wie diesem hier sehr nützlich.

00:04:46: Ja, also bei der ersten unserer Fragen Was fühlst du, kann ich dir leider nicht helfen.

00:04:53: Ich weiß nicht welches Gefühl dieses Bild bei dir auslöst und ich möchte hier auch nicht von mir sprechen denn das Gefühl dass ein Bild auslöscht wenn man es betrachtet ist sehr individuell und da sollte es ja auch sein.

00:05:07: doch ich kann der drei Punkte nennen die garantiert als erstes deinen Blick einfangen.

00:05:14: so etwas geschieht nicht per Zufall, der Maler wollte es so.

00:05:18: Es sind hier die drei hell ausgeleuchteten Personen in der Mitte des Bilders, zwei Männer und ein Mädchen.

00:05:26: Ein Mann und das Mädchen sind dazu noch hell gekleidet – sie fallen also sofort auf!

00:05:31: Der zweite Mann trägt Schwarz durch weiße Kragen und seine auffordernde Gestik.

00:05:37: Der Blick seines Nachbarn, des ersten Mannes auf ihn machen klar dass man ihn anschauen sollte.

00:05:44: er hat eine gewisse Bedeutung.

00:05:47: Beide Männer sehen wie Anführer aus und stehen vor einer Gruppe Militärleute, die sich gerade sammelt.

00:05:55: Sie werkeln mit ihren Musketen, sortieren die Lanzen, schwingen die Fahne und trommeln zum Abmarsch.

00:06:01: Auf diese Weise nämlich dass du das Bild für dich beschreibst was du überhaupt ziehst kannst du bereits weit in die Welt des Bildes hineintauchen.

00:06:12: Du hörst hier vielleicht schon die Befehle der Offiziere oder du riechst das Schwarzpulver von Probeschüssen.

00:06:18: Oder du hörst die Trommel, die zum Abmarscht trommelt und schon alle nervös macht.

00:06:24: Du hörst vielleicht auch das Klackern der Lanzen, die gegeneinander stoßen indem sie sich sortieren und aufrichten wollen.

00:06:32: Alle diese Dinge!

00:06:33: Vielleicht Flucht einer?

00:06:35: Vielleicht ruft einer noch seiner Mutter zu.

00:06:39: Es entsteht eine ganze Welt wenn du das Bild betrachtest und genau hinschaust was geschieht.

00:06:44: Und jetzt frage dich, wann dieses Bild entstanden sein könnte?

00:06:49: Also wir sind jetzt bereits auf der zweiten Ebene des Verstehens.

00:06:55: Doch je nach Interesse, Allgemeinbildung, Lebenshintergrund kommen wir hier auch schon ohne Nachforschungen weiter.

00:07:03: Wir müssten auf jeden Fall ein paar hunderte zurückreisen – das ist klar!

00:07:07: Das Bild wurde ja in den vergangenen Jahren.

00:07:11: Die Männer sind sehr reich gekleidet.

00:07:14: Sie tragen kostbare, gewebte Stoffe brokat und seidesamt.

00:07:18: Andere sind nicht so kostbar gekleitet.

00:07:21: Sie haben Lanzen, Schwärter, Degen- und Musketen.

00:07:26: Und diese Szenerie auch mit den großen Hüten, mit den Bändern als Gürtel – alle diese Sachen, das erinnert an.

00:07:34: Sihranode wär scharak!

00:07:37: Falls du das Theaterstück kennst.

00:07:39: oder die drei Musketiere.

00:07:42: Und genau in dieser Zeit wurde das Bild auch gemalt.

00:07:45: Du hast hier also schon mal einen Zeitanker.

00:07:51: Dann kommt die Frage, wo es entstanden sein könnte.

00:07:55: Da kannst du dich auch fragen Wo es vermutlich nicht entstanden ist.

00:08:00: Es muss auf jeden Fall In einer Region gewesen sein, wo man Militärbilder malte.

00:08:06: Die Größe und die vielen Porträts Auf diesem Bild Es sind nämlich wirklich Porträs.

00:08:12: Also alle diese dargestellten Männer Scheint es gegeben zu haben, hat es sicher auch gegeben.

00:08:20: Weißen auf eine Gegend hin wo sich zu dieser Zeit auch private Menschen leisten konnten, sich von einem Künstler verewigen zu lassen.

00:08:29: Gute sind jetzt Militärleute und nicht gerade private Leute aber es sind auch keine Herrscher und keine Mitglieder des hohen Klerus.

00:08:38: Solche gab es überall, reiche Leute gibt es immer Aber nicht umsonst wird der siebzehnte Jahrhundert in den Niederlanden oder auch Holland das goldene Zeitalter genannt.

00:08:51: In dieser Zeit hatte diese Gegend einen gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung, die Menschen dort waren besonders reich im Durchschnitt und es gehörte einfach zum guten Ton sich einmal im Leben in irgendeiner Form porträtieren zu lassen – zumindest in der oberen Gesellschaftsschicht!

00:09:12: Und jetzt bleibt uns nur noch und dem Künstler anzunehren.

00:09:16: Wer erhielt im goldenen Zeitalter in den Niederlanden die größten Aufträge?

00:09:22: Da kommen besonders zwei gigantende Kunstinfrage, nämlich Peter Paul Rubens und Rembrandt van Rijn.

00:09:32: Zugegeben – es könnte auch ein anderer sein!

00:09:35: Aber gehen wir vom Wahrscheinlichsten aus... Wenn du von diesen Künstlern mit ihren sehr typischen Malstilen schon mehrere Werke gesehen hast, dann ist es sehr klar.

00:09:46: Es ist Rennbrand!

00:09:48: Und hier noch mein Geheimtipp den ich schon erwähnt habe.

00:09:51: Gehe immer vom Wahrscheinlichsten aus.

00:09:54: Letztlich ist das ein Vergleichen mit Ausschlussverfahren.

00:09:58: Wie gesagt, ich präsentiere dir hier meinen Kunstkompass den ich neu entwickelt habe.

00:10:04: Ich muss lachen entwickelt das hört sich so ein bisschen nach Industrie und Naturwissenschaft an.

00:10:11: wie auch immer als ich aber diesen Kunstkampass erstelle es ist ein dreiseitiges PDF mit einer Checkliste einem praktischen Reiseplaner und auch einen Ort wo du deine Eindrücke notieren kannst.

00:10:27: Die Checkliste, die haben wir jetzt so eben durchgearbeitet mit diesem Beispiel der Nachtwache.

00:10:32: Du hast gemerkt also ich musste natürlich auch ein bisschen Wage bleiben als.

00:10:38: das war jetzt bei Weitem keine wissenschaftliche Herleitung, die wir hergemacht haben.

00:10:44: Wir haben eine Kunstbetrachtung gemacht aber ich wollte dir zeigen wie weit du damit schon kommst, wie viel wir uns von einem Bild erschließen können und deswegen habe ich diese Checkliste einmal erstellt, die man herunterladen kann und diese zwei Ebenen mit jeweils drei Fragen kannst Du für Dich dort immer nachsehen und eigentlich an jedem Bild, an jedem Kunstwerk ausprobieren.

00:11:09: Wie gesagt, du machst vielleicht nicht immer eine Punktlandung.

00:11:12: Die Welt ist groß und die Kunstgeschichte so lang wie die Geschichte der Menschheit aber der Kunstkompass weist dich auf jeden Fall in die richtige Richtung.

00:11:22: Du kannst ein Kunstwerk einordnen.

00:11:24: Du kannst die Maschen deines Wissensnetzes enger ziehen Das ist immer ein gutes Gefühl Und du kannst die Geschichte Stück für Stück besser erschließen.

00:11:35: Diesen Kunstkompass, also dieses PDF kannst du gleich herunterladen.

00:11:41: Ich habe den Link dahin auch in den Show Notes hinterlegt und druck ihn aus, nehme ihn kleingefaltet überall hin mit und vielleicht noch einen Stift dazu Wenn du ihn vor dir hast, frage dich alle Fragen der Reihe nach Beantworte sie so gut wie du eben kannst Und nimm die Infotafel oder die Suchmaschine erst dann zu Hilfe wenn dir nichts mehr einfällt.

00:12:04: Du wirst staunen, was du mit Sehen, Lebenserfahrung und auch Interesse alles schon weißt.

00:12:12: Ah!

00:12:12: Wer das hellbeleuchtete Mädchen im Hintergrund ist?

00:12:16: Die mit dem toten Hund unter Klo war an ihrem Gürtel?

00:12:20: Sie isst das Maskottchen der Truppe.

00:12:22: Das Bild heisst ursprünglich die Kompanie des Franz Banninkok und Willem van Ruitenburg Und die Hühnerkralle des Hunds.

00:12:33: dass das Mädchen am Gürttl pragt... ...das war das Emblem dieser Kompanie.

00:12:38: Jetzt bleibt mir nur noch eine gute Reise in das Gemälde deiner Wahl zu wünschen und dem Bild zu gratulieren, dass du für dich ausgesucht hast!

00:12:48: Kunstwerke sind Zeitmaschinen und damit du auf deinen Reisen durch Raum und Zeit nicht verloren gehst oder einfach nur in der Fülle der Ausstellungsräume der großen Museumspaleste nicht verlorengest – dafür hast Du jetzt meinen Kunstkompass an der Hand.

00:13:04: Viel Vergnügen.

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